Ein stiller Nachmittag auf dem Friedhof. Die Kieswege lagen leer, der Efeu rankte über die Mauern, und inmitten all der Stille stand ein steinerner Trog. Früher einmal vielleicht ein Brunnen, jetzt trocken und leer – bis auf eine einzige, ausgeblichene, schon halb kaputte Gießkanne, die schief darin lag.
Für uns Menschen kaum der Rede wert. Für Amira aber war es eine Entdeckung von höchstem Rang. Mit leichten Schritten stieg sie näher, steckte ihre lange Schnauze tief in die Öffnung und begann zu trinken – so hingebungsvoll, als würde dort das beste Wasser der Welt verborgen sein. Schlürfen, seufzen, noch ein Schluck.
Warum ausgerechnet hier? Vielleicht, weil das Wasser kühler war, abgeschattet vom Stein. Vielleicht, weil es nach Erde, Moos und Geschichten schmeckte, die nur ein Friedhof erzählt. Oder vielleicht, weil das Besondere eben nicht im polierten Napf zuhause liegt, sondern in den unscheinbaren Dingen am Wegesrand.
Während Amira trank, musste ich lächeln. Wir denken oft, wir wüssten, was „gut“ und „richtig“ ist. Aber manchmal zeigt uns ein Hund, dass selbst ein kaputter Plastikrest im steinernen Trog der wahre Quell der Freude sein kann.
Und doch bleibt eine kleine Erinnerung: Gerade große Hunde wie Amira brauchen an warmen Tagen – auch wenn der Herbst schon naht – reichlich frisches Wasser. Denn Abenteuerwasser aus der Friedhofskanne ist zwar köstlich, aber die Gesundheit lebt von ausreichender Flüssigkeit, Tag für Tag.

